Rennbericht IRONMAN Switzerland

Pre-Race

Morgens um 4:30Uhr klingelte der Wecker im Wohnmobil und Basti und ich kauten lustlos auf unserem Müsli herum. Um 5Uhr wollten wir vom knapp 15km entfernt liegenden Campingplatz in Richtung Zürich starten, weil die Innenstadt bereits um 6 Uhr für sämtlichen Verkehr gesperrt werden sollte. Die erste Herausforderung bestand darin, das knapp 7m lange Wohnmobil aus dem Campingplatz zu rangieren – war der Campingplatz doch sehr voll gestellt und Ende Juli ist es um 5 Uhr auch nicht hell. Vor, zurück, vor, zurück – ich glaube wir haben den gesamten Platz geweckt. Aber es waren auch viele Triathleten anwesend. Somit war nur die Hälfte der Leute betroffen. Die Anfahrt verlief problemlos und wir bekamen sogar noch einen Deluxe-Parkplatz direkt an der Laufstrecke. Somit war der Weg nach getaner Arbeit auch nicht mehr so weit.

 

Schwimmen

Ich habe mir öfters ausgemalt, wie ein Massenstart wohl ablaufen wird und ich kann Euch sagen, dass es ein Mordsgeklopfe ist. 6:55 Uhr wurden die Profis ganz links außen auf die Strecke geschickt.

Um 7 Uhr folgte der Rest. Ich hatte überhaupt keine Möglichkeit meinen Neo zu fluten oder einen Meter zu schwimmen. Alle gingen um 3 vor 7 ins Wasser und man musste sich auch gleich zum Schwimmstart begeben. Also wie ein Lemming hinterher gewatschelt und ab zum Wasserstart. Der Startschuss war noch nicht einmal gefallen, schon kochte das Wasser. Über 2000 Leute plantschten los – und es wurde geschlagen und getreten. Ich kann nur sagen, dass die Organisatoren glücklicherweise keine Startnummern irgendwo an den Athleten befestigt haben. Ansonsten hätte ich beim Radfahren später einige Kamikaze-Aktionen gestartet. Junge! Einige nutzen die Anomymität aus!

Das Schwimmen verlief für mich einigermaßen zufrieden stellend, auch wenn ich wieder mal – für meine Verhältnisse - weit abgeschlagen aus dem Wasser kam. Nach 34min krabbelt ich nach einem etwas längerem Stauf auf die Insel und brachte den kurzen Landgang hinter mich. Nach weiteren 35min stieg ich glücklich aus dem Wasser. Das Warmmachen war somit für mich nach 1:09h beendet und ich spurtete etwas benommen in Richtung Rad.

Rad

Ziel Nummer 1 ist für mich immer, dass ich mir das verpatzte Schwimmen immer gleich in Gedanken aus dem Kopf verbanne. Somit kann ich frisch und fröhlich in den Radsplit starten. Die ersten 20km bin ich sehr defensiv gestartet. War auch allerhand auf der Strecke los. Einfach mal schön was gegessen und viel getrunken. So ging es los. Nach 20km zog ich dann das erste Mal etwas am Gashebel und startete den Motor. Bis KM 30 war die Strecke komplett flach. Danach ging es in die „Berge“. Kontrolliert fuhr ich die erste Runde, weil ich noch schlimme Gedanken an Anfang Juni bzgl. der Kraichgau Challenge hatte. Aber lief alles schön reibungslos ab. Kurz vor KM 60 sah ich sogar Basti auf einmal vor mir. Bereits in der Wechselzone hatte ich gesehen, dass er (mal wieder) zuerst aus dem Wasser gekommen war. Aber da ich die Zeit nun aufgefahren war, könnte ich mir zunächst einmal einen kleinen Erleichterungsstopp. Die letzten 20 km der Radrunde kann man ehr oder weniger als ätzend einstufen. Miserabler Teer, Schlaglöcher überall und man hat die ganze Zeit im Kopf, dass man ja erst die Hälfte der Strecke hinter sich hat. Das war der Zeitpunkt meines moralischen Tiefs. Der Heartbreak Hill half mir da wieder hinüber. Ich liebe einfach die Berge – auch wenn es nur kleine Hügel sind. Mit gutem Druck ging’s noch oben.

Und dann zurück auf die Runde. Ich nahm wieder etwas Druck vom Pedal und verpflegte mich nochmals ausführlich. Und es ging wieder zurück ins „Gebirge“. Der Druck war weiterhin phänomenal und es lief quasi von alleine. Beim Heartbreak Hill erreichte ich noch Basti und wir fuhren gemeinsam durch die Zuschauermassen. Transalp-Feeling lässt grüßen.

Dann waren die letzten Radkilometer angezählt und es ging zurück zum zweiten Wechsel. 

 

Laufen

Schwimmen – abgehakt. Rad – abgehakt. Nun kommt der schwerste Part der ganzen Geschichte. 42,2km. Das bedeutete in Zürich 4 Runden à 10,5km. Mein Plan sah vor, dass ich mit 4:30min/km loslaufe, dieses Tempo bis zur Hälfte der Strecke halte und dann schaue, was die Beine noch hergeben. Die ersten 10km lief das Ganze nach Plan ab.

Ich sagte meinen Beinchen: „Lauft schnell wie der Wind!“ Und sie taten es. Ich kämpfte anfänglich noch etwas mit Seitenstechen, aber dies ließ sich relativ gut unter Kontrolle halten. Doch in der zweiten Runde machte sich mein Verdauungstrakt bemerkbar. Relativ schnell und eilig suchte ich mir ein schnuckeliges Dixie-Klo und hatte erstmal 2 Minuten Pause. Danach lief es nicht mehr ganz so rund. Kilometer um Kilometer wurde zäher. Einige Salztabletten machten es für die Muskulatur durchhaltbar. Runde 3 wurde noch etwas langsamer als die vorherige Runde. Aber wer hat gesagt, dass ein Ironman eine Spaßveranstaltung ist? Laufend wurde man von Bekannten und Unbekannten angefeuert. Das hilft – zumal die ganze Zeit im Kreis läuft und immer wieder die selben Gesichter sieht. Wahnsinnig ekelhaft fande ich folgende zwei Gerüche:

1) Rauchende Zuschauer, deren Qualm den direkten Weg zu mir fanden

2) Stände, die irgendwelche Knoblauch-Spezialitäten verkauften

Wahnsinn! Und das bei einer solchen Veranstaltung!

Ich musste dann in der dritten Runde nochmals mein geliebtes Dixie-Klo aufsuchen und ließ nochmal 2-3 Minuten auf der Strecke liegen. Mein anfänglicher Plan war demnach leider zum Scheitern verurteilt worden. Nach knapp 3:30h Laufzeit kam ich dann dennoch überglücklich ins Ziel.

Zusammengerechnet ergibt das 9:36.22h.

12. Platz in der Altersklasse 25-29.

125. Platz in der Gesamtwertung.

 

Swim

1:09.45

Transition1

2.00

Bike

4:53.34

Transition2

1.15

Run

3:29.46

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